Bergackerbau

Der Bergackerbau trägt nicht nur viel zur Biodiversität des Berggebiets bei, indem er eine einseitige Ausrichtung auf die Grünlandwirtschaft im Berggebiet verhindert, sondern er prägt auch die Kulturlandschaft. Er ist ein Aushängeschild für einen umweltfreundlichen Kanton, und dient Natur und Markt gleichzeitig. Zwischen 1999 und 2006 ist der Bergackerbau in den Zonen 2 bis 4 in Graubünden um 69 % zurück gegangen. Das hat in erster Linie finanzielle Gründe: Der Bergackerbau ist aufwändig, die Erträge zwar qualitativ hervorragend, vom Ertrag her aber bescheiden.

Wie überall in der Landwirtschaft sind die Erträge abhängig von den Witterungsbedingungen. Im Berggebiet ist das Risiko jedoch noch grösser als im Tal: die Vegetationsperiode ist kürzer und die maschinelle Infrastruktur (z.B. Anzahl Mähdrescher, Bodenbearbeitungsgeräte) ist nicht so gut wie in den Ackerregionen des Unterlandes.

Das grösste Sorgenkind ist in den letzten Jahren der Roggen, das ursprünglich am besten geeignete Getreide für die Bergzonen. So hat sich gezeigt, dass die heutigen Roggensorten nicht mehr genügend winterhart für die Bergregionen sind. 2009 und 2010 hatten die Produzenten von Gran Alpin grosse Auswinterungsverluste beim Roggen zu beklagen. Zudem ist Roggen sehr auswuchsgefährdet, was die Roggenernte inzwischen auf ein bedenkliches Mass dezimiert hat. Im Falle von Auswuchs, kann das Getreide nur noch als Futtergetreide verwendet werden.

Um Berggetreide verkaufen zu können, ist Gran Alpin aber auf einen gewissen Anteil von Roggen angewiesen, es braucht Roggen z.B. für die Mischung des Capricorn-Brotes. Zudem hat der Roggen einen günstigen Einfluss auf den Boden innerhalb der Fruchtfolge.

Gute Eigenschaften in der Fruchtfolge hat auch der Buchweizen. Er bietet zugleich Lebensraum für eine vielfältige Fauna. Die Erträge sind aber auch hier sehr unsicher. Im 2010 wurde der Buchweizen vom Schnee bedeckt, bevor er ausreifen konnte.

Ähnliche Probleme hatte Gran Alpin zu Beginn bei der Braugerste: Auch hier befriedigten Qualität und der Ertrag in den ersten Jahren nicht und es konnte auf kein Basiswissen bezüglich Sortenwahl, Bodenbearbeitung, etc. zurück gegriffen werden. Inzwischen hat sich hier jedoch eine erfreuliche Wende eingestellt und es kann mit Recht behauptet werden, dass der Anbau von Braugerste kein Hoch-Risiko mehr ist. Diesen Erfolg möchte Gran Alpin auch beim Roggen und weiteren Ackerkulturen wiederholen.

Sortenwahl

In der Schweiz finden Getreidesortenprüfungen für den Bioanbau statt. Leider werden diese Sorten aber nicht auf eine Eignung im Berggebiet getestet. So musste Gran Alpin selbst die Initiative ergreifen und organisiert nun zusammen mit Bio Grischun Sortenversuche für Braugerste im Berggebiet in Graubünden. Davon profitieren inzwischen auch konventionelle Bauern, welche nicht zu Gran Alpin gehören, die nun seit 2010 Braugerste im Berggebiet anbauen und die Versuchsergebnisse nutzen dürfen.

Beim Roggen versucht Gran Alpin seit einiger Zeit auf alte, nicht in den offiziellen Sortenlisten geführte Sorten zurückzugreifen. Mit gemischtem Erfolg. Ausserdem arbeitet Gran Alpin mit Peer Schilperoord zusammen, der alte Getreidesorten angebaut und auf ihre Anbaueignung untersucht hat. Mit ihm haben Vermehrung und Anbau der alten Roggensorte Cadi begonnen. Cadi hatte den Winter 09/10 gut überstanden, nicht aber die nasse Witterung in der Haupterntezeit. Der Nachteil der alten, züchterisch vernachlässigten Sorte liegt darin, dass sie mit unseren heutigen, in der Regel fruchtbareren Böden überfordert ist. Dazu kommt die Halmlänge von 1.80 bis 2.20 m, was schnell zur Lagerung des Getreides führen kann.

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